in

Andersweltreisen – Erfahrungspoesie Teil I

Auf meinen Artikel zur Frage „Was ist Schamanismus“ kam unter anderem öfter die Frage nach der schamanischen Reise bzw. Andersweltreise. Z.B. ob ich erzählen könne, was man dabei so erlebt.
Das lässt sich allerdings in unserer gewohnten analytisch-sachlichen Sprache nur unzureichend erklären, denn diese Erfahrungen spotten jeder Beschreibung.
Daher bediene ich mich beim Versuch, einige meiner schamanischen Reisen zu beschreiben der poetischen Sprache, wenngleich ich weiß, dass diese für Viele „Kopfmenschen“ schwer zu erfassen ist. Jedoch nur indem ich über die Sprache Bilder und Gefühle auszulösen versuche, kann ich Anderen näherbringen, was ich erlebte.

Statt sofort das Konzept des schamanischen Reisens analytisch zu erklären, möchte ich zunächst nach und nach einige meiner Reiseerlebnisse teilen. Dann werdet ihr mit einem anderen Blick die „Verstandeserklärung“ lesen, die bald als Artikel hier folgt.

Viel Freude beim eintauchen in die erste Reisebeschreibung.

Aloha, Stefan

Still steht ich, Trommel schlagend,
Geist löst sich, Tore durchschreitend.

Tore, die vielfach durchschritten,
doch nie geöffnet, stets verborgen.

Sacht rieselt der Wind durch Blatt und Strauch.
Unsichtbar machtvoll strahlt der Sonne Licht.

Stille Stimmenraunen und rauschen durch Wald und Grund.
Flüsternd tosen sie in Wurzel, Stamm und Ast.

Künden von Kraft, von Wissen und vergessener Zeit.
Als die Steine noch jung, die Sterne nicht alt.

Hauchen von Zauber, Leben und werden.
Von liebenden Göttern, sterbenden Welten.

Wispern mir stimmlose Gesänge,
formlose Bilder, tonlose Worte.

Mein Geist zerspringt, zu machtvoll der Klang.
Zerfalle in tausend Splitter,
fortgeweht wie Sand,
auf donnernden Wellen.

Bin Blatt und Wurzel, Stamm und Ast.
Bin sausendes Licht, verzehrter Boden,
wachsende Blume, surrendes Insekt.
Bin kriechendes Gewürm, ruhender Stein,
strömender Strom im lichtlosen Grund der Erde.

Fließe zu einem Ort, werde neu ganz,
aus tausend Funken wird Eins.

Gewandelt steht altes Ich auf altem Fels,
unter nicht jungen Sternen.
Weisgewordene Seele, gewirrter Geist,
noch rasend von wirbelnder Reise.

Die Trommel ruht, begibt sich zum Schlaf.
Traumwandelnd wandere ich hinfort,
gelehrt, mit wissendem Ahnen behangen,
der Reise des Lebens entgegen.