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Andersweltreisen – Erfahrungspoesie Teil II

Die Andersweltreise – Erfahrungspoesie Teil II

Die Andersweltreise, auch schamanische Reise genannt, ist eine oft „mythenumwobene“ Sache.
Im Grunde geht es dabei um die Verlagerung des Bewusstseins auf andere Seinsebenen. Einige Traditionen nutzen die Trommel, um sich in eine entsprechende (Halb-)Trance zu versetzen, andere nutzen psychodelische Substanzen und wieder andere Traditionen – und so lernte ich die schamanische Reise kennen – nutzen keinerlei Werkzeuge sondern „reisen“ bei vollem Bewusstsein, ohne Trance.

Es gibt hierbei – wie so oft im naturspirituellen/schamanischen Bereich kein richtig oder falsch, besser oder schlechter.

Ich nutze die poetische Sprache, um eine meiner Reisen zu beschreiben, da die sachlich-logische Sprache die Anderswelt nicht mal annäherungsweise sinnvoll beschreiben kann.

Am Ende des „Reiseberichts“ findest du eine kurze Abhandlung dazu, was eine Andersweltreise eigentlich ist. Ich wünsche dir viel Freude!

 

Die Trommel schlägt, dumpf hallts im Leib.
Das Drumherum entschwindet meinen Sinnen.

Das von Ast und Blüte umrankte Tor erscheint vor mir,
schon tausendfach durchschritten.

Von Jenen vor mir,
von Jenen nach mir,
nun auch von mir.

Der Milan fliegt über mir; den Fuchs an meiner Seite,
eile ich ein in fernnahe Welten,
die unerreichbar weit und doch nur einen Gedanken nah
in Allem was ist existieren.

Ein langer Weg, den ich heut gehen muss,
und doch wird keine Stunde vergangen sein,
wenn ich wiederkehre, obgleich ein Leben
ich verbring in diesen Äthern.

Durchdrungen vom Sein nichtgeschöpfter Welten,
lausche ich Stimmen ihrer Wesen,
die nie erdacht auf ihr Werden warten.

Summend klingen ungedichtete Lieder,
in meinem substanzlosen Leib,
der gleitend durch ewigen Raum schwebt.

Ungeborene Weisheit erwacht in meinem Innern.
Bildet wabernde Form im leeren Kosmos,
gebiert Geräusch und Wort, das Sein.

Die Sinne taub und stumpf, doch klar fühl ich
der kosmischen Kraft Berührung, die sanft brennende
Flamme der Schöpfung, deren Licht scheinlos strahlt in unserer Welt.

 

Weit reis ich, viel seh ich, wenig verstehe ich.
Mein Geist erfasst nur hauchgleich
kleine Fetzen dieser Realitäten
Kurz nur lichten sich die Schleier.

Weit reis ich, viel seh ich, wenig verstehe ich.
Ist der Milan er, oder ein fremdes Wesen in Tiergestalt?
Ist der Baum dort ein Baum, oder ein Wesen im Gewande,
das mein Geist verstehen kann?

Weit reis ich, viel seh ich, wenig verstehe ich.
Was ich seh, ist wahr und doch Anders.
Enge Grenzen hat menschlicher Geist.
Auch hier sieht er nur, was ihm bereits bekannt.

Weit reis ich, viel seh ich, wenig verstehe ich.
Die Trommel verklingt, der Schall schweigt.
Wieder kehr ich, zum Tor zurück.
In die Welt, wo die Dinge sind, wie mein Aug sie sieht,
mein Geist sich auskennt.

Frieden in mir, um mich, überall.
So kehre ich von der Reise wieder.
In substanzvollen Raum, liege auf starkem Fels,
der mich hielt als ich flog in anderen Welten.

Viel reiste ich, viel sah ich, wenig verstand ich.
Menschliche Sprachen genügen nicht,
kleiden kläglich in Wort und Bild,
was die Seele sah und spürte.

Ein fliegendes Wesen wird zum Milan, ein Kluges zum Fuchs
Doch die wahre Gestalt bleibt verborgen im Schleier
der zwischen den Welten Grenzen schafft.
Ahnen kann ich, doch wissen nimmer.

 

 

Was ist die Andersweltreise?

Ich stelle die Andersweltreise hier nur zusammengefasst dar – eine detaillierte Diskussion würde hier den Rahmen sprengen. Falls du die Andersweltreise also bereits kennst, beherrschst und erfahren in ihr bist, wundere dich nicht, wenn dir hier keine vollständige Beschreibung oder eine etwas andere Beschreibung begegnet, als du sie kennst.

Ein wundervolles Buch zur Vertiefung des Themas ist übrigens „die Andersweltreise“ des leider zu früh verstorbenen großen Schamanen Axel Brück.

 

Die Technik der Bewusstseinsverlagerung findet sich in so gut wie allen naturspirituellen/schamanischen Traditionen.
Doch unterscheiden sich die zugrundeliegenden Weltbilder oft in vielen Details (zur Vielfalt und Unterschiedlichkeit der schamanischen Traditionen lies gerne meine entsprechenden Artikel über den Schamanismus. hier geht es zu Teil I und Teil II).

Die Anderswelt wird vor Allem im Schamanismus des sibirisch-nordasiatischen Raumes und auch in den europäischen Traditionen als feinstoffliche Ebene unserer Welt gesehen. Sie existiert um uns, ist mit der materiellen Ebene verbunden. Jedes Wesen – auch wir – hat einen physischen Anteil (Körper), einen geistigen Anteil (der sich in eben diese Anderswelt hineinerstreckt) und einen göttlichen Anteil (der mit der göttlichen Ebene verbunden ist).
Unser Bewusstsein befindet sich im Schwerpunkt auf der physischen Ebene, kann jedoch auf die anderen Ebenen verlagert werden.
Auf der Ebene der Anderswelt, der Ebene des Geistes also herrschen die Gesetze von Zeit und Raum nicht in der uns gewohnten Form.

In diesen Traditionen ist die Anderswelt also einfach eine „andere Welt“, ein anderer Teil unserer Welt in dem es ebenso wie in der „echten“ Welt gute, nicht so gute oder gar böse Geister und Mächte geben kann.

Hier können die Schamanen zu anderen Orten reisen, in vergangene Zeiten (und so in der Vergangenheit Ereignisse heilen/transformieren) und in andere Gefilde des Universums.

Die Andersweltreise ist in diesen Traditionen kein Spielzeug für den spirituellen Kick, kein „Event“ sondern ein komplexes Handwerk, eine Technik die anlassbezogen ausgeführt wird.

Ich musste zum Beispiel bereits einige überneugierige und ungeduldige Schüler*innen wieder „zurückholen“, nachdem sie ihr Bewusstsein nach einem ersten, unzureichend vorbereiteten Reiseversuch (natürlich ohne Anleitung eines erfahrenen Schamanen…) nicht wieder vollständig zurückholen konnten. Sie waren bis zu meiner Behandlung dann ziemlich zerfahren und „nicht richtig da“.

In anderen Traditionen ähneln die Konzepte der Anderswelt- oder Geistreise dem der Akashachronik oder „Matrix“ des Universums: Demnach sind alle Ereignisse, Informationen, Energien usw. im Feld von Mutter Erde gespeichert und der Schamane/die Schamanin „reist“ bei vollen Bewusstsein, ohne jedwedes Werkzeug in dieses Feld und verbindet sich mit den entsprechenden Energien, Informationen und bearbeitet sie.
Man kann es sich ein wenig vorstellen wie das abrufen von Informationen aus einer Computerdatenbank und dann wird ein altes Programm (wie ein traumatisches Ereignis, ein Angstmuster etc.) „überschrieben“, also verändert.

In diesen Traditionen gibt es auch andere Existenzebenen, feinstofflichere Ebenen – doch haben diese hier nichts mit der Andersweltreise zu tun.

Um ein konkretes Beispiel zu nehmen:
Der europäisch-nordasiatische Schamane würde einen verlorenen Seelenanteil in der Anderswelt suchen und sich dafür ggf. mit „bösen“ Geistern anlegen, Hindernisse überwinden, sich von seinen Krafttieren dabei führen und helfen lassen. In diesen Traditionen können Seelenanteile nicht nur durch „Schreck“ verloren gehen sondern auch geraubt werden, sich verirren

Der Inka-Paqo (Paqo kann man in etwa mit Praktiker, Meister und Priester übersetzen) würde einfach Mutter Erde bitten, die Seelenanteile des Klienten wieder zurückzugeben – da in seiner Tradition Seelenanteile einfach durch Stress „abhauen“ und sich in Mutter Erde ausruhen/Schutz suchen – sie bleiben aber dennoch stets wie mit einem dünnen Faden mit dem „Ganzen“, also mit der Person verbunden. Es ist in dieser Tradition nicht nötig, sich mit Hindernissen, bösen Geistern etc. auseinanderzusetzen – es funktioniert auch so.
Die Inka „reisen“ in einer Behandlung „in die Ereignisse, die zum Verlust des Seelenanteils geführt haben“.

Interessanterweise funktionieren beide Konzepte gleichermaßen. Warum das so ist erkläre ich ebenfalls in meinen Artikeln zum Schamanismus. Kurz gesagt: Das schamanische Konzept der „Seele“ unterscheidet sich in vielen Punkten grundlegend von dem aus unserer christlichen Tradition heraus geprägtem Bild.

Ich hoffe, ich konnte dir einen Einblick in die „Geheimisse“ der Anderswelt geben.

Wandere in Kraft und Liebe.

Stefan

 

Wenn du dich für Schamanismus, geistiges Heilen allgemein und/oder meine Arbeit interessierst, findest du auf meiner Homepage viele Informationen und Termine zu meinen (Online-)Seminaren und Angeboten für Einzelsitzungen.

Gerne stehe ich dir für deine Fragen auch für ein kostenloses Erstgespräch (ca 20 Minuten) oder per Mail zur Verfügung.