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Schamanismus und das Fleisch essen

Die Offenheit schamanischen Denkens  Teil 3 – Schamanismus und das Fleisch essen

„Warum essen soviele Schamanen Fleisch?“ – diese Frage wird immer öfter gestellt, je mehr der Veganismus zum Trend wird, insbesondere in der spirituellen Szene.
Ich möchte also die schamanische Sicht auf das Leben und dieses Thema veranschaulichen.

Das, was ich als „schamanische Denkweise“ kenngelernt habe, findet sich in allen naturspirituellen Traditionen.

Das Weltbild der Schamanen schließt nur wenig aus. Durch die Erkenntnis, dass wir mit unserem Verstand jeweils nur Bruchstücke des nichtmateriellen Universums erfassen können entsteht in dieser Denkweise eine große Offenheit und Toleranz anderer Wege und Sichtweisen.

Eines der Huna-Prinzipien lautet „Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit“.
Die Realität zeigt, dass die verschiedenen schamanisch geprägten Traditionen aber auch andere Schulen geistigen Heilens von Indien über Japan bis zur modernen Quantenheilung gleichermaßen effektiv sein können.
Nicht nur Veganer erreichen die Erleuchtung, den oft fleischessenden Schamanen gelingt dies ebenso gut.

Ob Yoga, Tai Chi oder Qi Gong – jede Tradition enthält alles Notwendige für ein glückliches und gesundes Leben.

Es gibt demnach keinen für alle Menschen gleichermaßen effektiven Weg zur Erleuchtung, Heilung oder was auch immer – sondern viele Wege, die sogar bei scheinbar gegensätzlichen Sichtweisen gleich wahr und effektiv sind. Leider reagieren viele innerlich unsichere Menschen aggressiv, wenn Jemand auftaucht, der mit einem den ihren entgegengesetzten Weg ebenso erfolgreich ist.

 

Viele schamanische Kulturen kennen zum Beispiel keine ewige, göttliche Seele in der Form, wie wir Europäer sie aus dem christlichen Weltbild heraus glauben. Und keine Reinkarnation wie es im südostasiatischen Raum und vielen europäischen spirituellen Schulen oft angenommen wird. Es gibt demzufolge in diesen Traditionen auch kein Karma aus früheren Leben sondern lediglich Muster der Ahnen, die man übernehmen und wiederholen kann und abzulegen versucht. Oder nutzt, wenn es sich um hilfreiche Muster handelt.

In vielen Konzepten existiert auch das Konzept von Flüchen, Schwarzmagier oder Dämonen in der uns bekannten Form nicht, da es nichts Nichtgöttliches geben kann und alles als leichte/fließende oder schwere/stockende Energie gesehen wird. Energie wird also als relativer Zustand wahrgenommen, nie als absoluter wie „böse, negativ“ oder auch „gut“.
Die Welt ist einfach – was wir als gut oder schlecht empfinden, ist alleine ein inneres Urteil.

Dennoch funktioniert das geistige Heilen mit dem Konzept von Reinkarnation und Seelenkarma ebenso gut wie das Konzept ohne diese Elemente: Die jeweils Behandelten werden gesund, beziehungsweise ihre Probleme lösen sich auf. „Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit.“ Es gibt verschiedene Wege, die Alle gleichermaßen gut zum Ziel führen können.

Diese Offenheit des schamanischen Denkens habe ich in vergangenen Artikeln umfassend beleuchtet. Mit der zusammengefassten Wiederholung dieser Texte möchte ich dich dazu einladen, mir undogmatisch und ungeachtet deiner etwaigen persönlichen Gefühle und Sichtweisen auf der Reise durch das emotional aufgeladene Thema der Ernährung zu folgen.

Hier soll es nicht um das „besser“ oder „schlechter“ eines (Ernährungs-)Weges gehen – ich bin der tiefen Überzeugung, dass es nicht „den einen wahren und besten Weg“ für Alle gibt.

Vorweg: Ein wichtiger Punkt zum Thema negative/positive Energie:

Ich möchte dir, bevor wir ins das heikle Thema einsteigen, zum Verständnis kurz die schamanische Sicht auf Energie nahebringen.
Stell dir einen Fluss vor, der klar und schnell dahinfließt. Das Wasser ist unser Synonym für die in allen Dingen fließende Lebensenergie.

Wenn du den Fluss staust, ihn anhältst, wird das Wasser langsamer, steht schließlich und wird mit der Zeit trübe und faulig. Für uns Menschen ist es dann nicht mehr nährend sondern giftig – es hat sich von „leichter“ (oder positiver) in „schwere“ (oder negative) Energie verwandelt. Für andere Lebewesen jedoch ist gerade dieses Wasser ein exzellenter Lebensraum, da sie im fließenden Strom nicht leben könnten. Kann der Fluss wieder weiterfließen, wandelt er sich aufs Neue und das Wasser wirkt wieder gänzlich anders.

Das stehende, faulige Wasser ist also nur für uns „negativ“, nicht für Alle.
Es gibt also keine objektiv positive oder negative Energie, Wirkung und Urteil entstehen erst in uns selbst und je nach Sichtweise, Situation sowie unserem Existenzzustand.
Daher ergibt es im schamanischen Weltbild absolut keinen Sinn, Dinge als gut/schlecht, positiv/negativ usw. zu klassifizieren – weil diese Wirkungen nie gleichermaßen für alle Menschen eintreten und sehr von Situation und Sichtweise abhängen.

Egal in welchem Zustand sich die Lebensenergie befindet – sie bleibt LEBENSenergie!

Dies ist wichtig, wenn wir uns Glaubenssätze wie „Fleisch ist niedrige/negative Energie“ anschauen.

Ich möchte dieses emotionale  Thema der Ernährung nun einfach aus schamanischer Sicht beleuchten, so wie ich es in vielen Gesprächen mit Indigenen erfahren habe.

Jede/r Schaman*in wird zustimmen, dass Lebewesen nicht so behandelt werden sollten, wie wir es hierzulande immer noch zu oft tun.

Jedoch – nach dem Motto „Alles ist heilig oder nichts“ gilt dies aber ebenso für Pflanzen, die aus schamanischer Sicht ebenso Lebewesen sind wie Tiere. Es kann keinen qualitativen Unterschied zwischen den lebendigen Dingen geben. Für Schamanen besteht der einzige Unterschied zwischen einer Pflanze und einem Tier darin, dass das Tier sich uns via Stimme und Gesichtsausdruck besser mitteilen kann – vor Allem, weil wir weitgehend die Fähigkeit eingebüßt haben, mit unseren erweiterten Sinnen wahrzunehmen und zu kommunizieren.

Als in Australien oder an anderen Orten die Wälder großflächig brannten, hörte ich nicht nur die Koalas und andere Tiere erbärmlich schreien – sondern auch die Bäume, die Pflanzen, die nicht fliehen konnten.

Alles Lebendige ist beseelt, alles was ist, ist gleichermaßen göttlich und wertvoll.

Die Indigenen bitten die kleinste Pflanze ebenso um Vergebung, dass sie ihr wehtun oder sie töten müssen um zu leben wie sie es bei den Tieren tun.

Da alles gleichermaßen göttlich und heilig ist und sich alles in einem großen Kreislauf des Lebens einander nährt, kann keine Frucht oder das Fleisch eines Tieres „schlechte Energie“ in sich tragen.

Insofern ist z.B.  der Gedanke von „Fleisch / Töten= negative/niedrige Energie“ bei indigenen Schamanen Anlass für Heiterkeitsausbrüche. Denn man muss immer irgendetwas töten, um leben zu können – das ist das Leben, die Natur.

Auch das Thema „positive/negative Energie“ wird in diesen Traditionen oft gänzlich anders gesehen – es gibt in der Welt nichts absolut Positives oder Negatives, dies sind Wertungen die nur in uns entstehen.

Das Gesetz von der Kraft der Gedanken: Die Welt ist, wofür du sie hältst. Wenn du glaubst, etwas sei negativ, wird es für dich auch so sein.
Wenn du glaubst, Fleisch essen sei schlechtes Karma und würde Erleuchtung verhindern, wird es für dich so sein.
Viele machtvolle und von ihrer Art den Lamas und Rinpoches gleichende indigene Schamanen beweisen, dass das Gegenteil möglich ist.
Erinnere dich an das Beispiel mit dem Wasser: Es bleibt Wasser. Wie Energie auf uns wirkt, ob sie in einem gewissen Zustand (z.B. eben Fleisch) gut oder schlecht auf uns wirkt, hängt maßgeblich von unserer Betrachtungsweise, unseren Glaubenssätzen und unserem Umgang mit der Umwelt ab.

Tier- und Umweltschutz sind den Schamanenselbstverständlich, aber der verbreitete Gedanke, dass töten um des reinen Essens willen mieses Karma sei, ist dem schamanischen Weltbild grundlegend fremd. Dass schlecht behandelte Lebewesen ggf. das Leid in ihrer Frucht/ihrem Fleisch mittragen ist eine andere Sache – das trifft aber eben auf Pflanzen wie Tiere gleichermaßen zu.

Am Ende geht es im Schamanischen um den bewussten und liebevollen Umgang mit allem Lebendigen. Nicht was du isst sondern wie du es behandelst und wie bewusst du lebst ist das Entscheidende.

Man sollte nicht dogmatisch einen Weg zum Allheilenden Weg erklären – denn selbst der Veganismus ist dies nicht. Umweltschutz findet z.B. am ehesten bei regionaler Ernährung statt, nicht durch den Import von Superfruits aus Südafrika. Vieles an dieser Ernährungsweise ist nur möglich, weil wir eine globalisierte Welt haben und unsere westlichen Länder reich sind. Andernorts könnte man sich diese Ernährungsweise schlicht nicht leisten.
Ohne Globalisierung wäre im Winter eine vegane/vegetarische Ernährung ebenfalls schwierig. Dies hören so einige Leute nicht gerne – es gehört jedoch auch zur neutralen und nüchternen Betrachtung dazu, die ja stets überall gefordert wird.


Ein Schamane fragte mich mal: „Was für ein Problem habt ihr eigentlich mit dem Tod?“

Die Frage war interessant und erwischte mich damals kalt. Im Gespräch wurde es mir dann klarer. Wir haben den Tod aus der Mitte des Hauses und der Gemeinschaft in die Altenheime und Krankenhäuser verlegt. Die Meisten von uns kommen sowohl mit der Ernte als auch mit dem Schlachten nicht mehr in Berührung – der Kreislauf der Natur ist uns fremd geworden und umfasst mehr, als Bäume zu umarmen und sich mit der Erde zu verbinden.
Unsere Verbindung zur göttlichen Natur, zum Universum ist gestört, selbst unter sehr spirituellen, „gläubigen“, Menschen beobachte ich Unsicherheit und Angst in Bezug auf das Thema des Todes. 

Während viele Spirituelle bei Regen und Kälte im warmen Raum meditieren, geht z.B. der sibirische Schamane auch bei minus dreissig Grad zum Trommelritual raus.
(Spirituelles) Wachstum findet ausserhalb der Komfortzone statt.

Was kommt nach dem Tod? Ist es wirklich so, wie die großen Meister*innen sagen? War ich in meinem Leben gut genug, kann ich aufsteigen, habe ich genug Karma gelöst?
Solche Fragen bewegen Viele. Und der Gedanke, dass das Ich, alles was uns ausmacht sich einfach auflösen und enden könnte, macht auch vielen spirituellen Menschen nach wie vor Angst.

Diese Angst habe ich bei den Indigenen nie erlebt. Sie wissen, dass das Leben immer weitergeht. Wir leben in den Nachkommen weiter, gehen wie die Teile unseres Körpers wieder in den Kreislauf, bringen unsere Erfahrungen und Erinnerungen in das große Ganze ein. Der göttliche Funke, der ein Teil unseres Seins war, geht zurück ins Göttliche und verschmilzt – Gott hat eine Erfahrung mehr gewonnen!


Die Natur zeigt uns an allen Enden, dass Leben und Sterben untrennbar zueinander gehören.
Pfanzen „töten“ das Licht, wandeln es um. Pflanzen werden von Tieren umgewandelt in Fleisch, Tiere wandeln einander um, kleinste Tiere wandeln am Ende auch unsere Körper wieder zu Erde, Pflanzen, Licht

Daher kann – so die schamanische Logik – Töten an sich nicht negativ sein. Zu „miese Karma“ wird töten aus niederen Beweggründen, aus Lust, aus streit um Macht, Geld usw. Doch das töten um des Überlebenswillen ist in der Natur fest verankert.


Noch einmal: Es geht hier nicht um ein richtig oder falsch, ein besser oder schlechter eines Weges. Jeder möge so leben, wie es sich für sie/ihn gut anfühlt. Jedoch möge auch Niemand einen Weg – und das geschieht in der veganen Szene zunehmen – als allheilend oder den besten/wahren Weg darstellen.
Ich habe selbst über Jahre vegan gelebt, es tat mir auch gut. Mein eintauchen in den Schamanismus nahm mir jedoch viele Ängste in Bezug auf Leben und Tod, gab mir eine ganz andere Verbindung zum Leben und zur Natur.
Und so stellte sich meine Ernährung wieder um. Ich trete also keinem Weg pauschal abwertend gegenüber, möchte aber dafür eintreten, die verschiedenen Wege gleichermaßen zu respektieren und aus dem „gut/schlecht“ Urteil, aus dem schwarz-weißdenken auszutreten.

Zuviele, auch und gerade spirituelle Menschen, pflegen dieses Denken leider auf ihrer Suche nach Sicherheit, nach Erleuchtung und dem „einen, wahren Weg“. Häufig steht auch ein niedriges Selbstbewusstsein im Weg. Wer innerlich am zweifeln ist, fühlt sich schnell angegriffen, wenn im Umfeld Menschen auftauchen, die mit einem komplett dem eigenen entgegengesetzten Weg ebenso erfolgreich sind.
Ich erlebe zunehmende, immer aggressivere „Grabenkämpfe“ zwischen spirituellen Schulen und Strömungen.

„Das sind doch nur Ausreden, um weiter Fleisch essen zu können“. „Dann bist du noch nicht erwacht.“ „Mörder, Tierquäler“. Solche und ähnliche Aussagen sind jedoch keine Argumente sondern Dogmen, die jedwede Diskussion erschlagen, somit kann man unangenehmen Gegenargumenten und Fakten ausweichen.

Fazit: Vegetarische oder vegane Ernährung ist aus schamanischer Sicht schlichtweg nicht ausgeschlossen oder unsinnig, sondern schlicht nicht notwendig für Erleuchtung, Selbstentfaltung oder gar Umweltschutz – eine bewusste Ernährung und ein achtsamer Umgang mit ALLEM Leben ist entscheidend.
Die Angst, schlechtes Karma ansammeln zu können durch das töten zwecks überleben ist dieser Weltsicht absolut fremd.
Wenn du du dich mit diesen Ernährungsweisen also wohl fühlst, ist das absolut richtig und in Ordnung – für dich. Es gibt nicht den einen besten Weg für Alle. Wichtig ist, einander anzuerkennen und zuzuhören, sich einander nicht schlecht zu machen, nur weil man sich getriggerd davon fühlt, wie der Gegenüber lebt.

 

Ich hoffe, ich konnte Dir einige Denkanreize geben. Mögen Offenheit, Verständnis und Toleranz dich stets begleiten.

Wandere in Kraft und Liebe,

Stefan

 

 

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